Anatole Mallet - Kurzbiografie des Erfinders

Mallet-Lokomotiven werden nach dem Erfinder ihres Antriebssystems so genannt: Anatole Mallet (sprich: Anatohl Malleh). Der schweizer Ingenieur entwickelte das erfolgreichste und ausgereifteste Gelenksystem, das im Dampflokbau verwendet wurde. Mit Recht kann er außerdem als Erfinder der Verbundwirkung auf Lokomotiven bezeichnet werden.

Geboren wurde Anatole Mallet am 23. Mai 1837 in Lancy in der Schweiz (Kanton Genf) und beschäftigte sich zunächst mit dem Bau von Hafenanlagen in Italien. Des Weiteren war er an Vorarbeiten zum Bau des Suezkanals beteiligt. 1867 beschäftigte er sich erstmals mit der Entwicklung von Dampfmaschinen. Sieben Jahre später meldete Mallet ein erstes Patent für eine Verbundlokomotive an und bewies, dass sich Verbund-Triebwerke nicht nur im Schiffbau, sondern auch in Lokomotiven verwenden lassen. Erstmals wurde der Gedanke bereits 1830 von Roentgen, dem Leiter einer Werft und Maschinenfabrik, in einer Patentschrift dargelegt. Noch eine weitere Erfindung von A. Mallet wurde im Jahr 1874 patentiert: das Anfahrsystem, bei dem sowohl Hochdruck- als auch Niederdruckzylindern Frischdampf direkt aus dem Kessel zugeführt wird (s. Technik). Ein ähnliches System war auch bereits Bestandteil des Patents von Roentgen, 1830 (genannt Refrigator).

1876 wurden auf der Eisenbahn von Bayonne nach Biarritz (Frankreich) einige von Mallet entwickelte B1n2v- und Cn2v-Kuppler eingeführt, die durch Verbundwirkung angetrieben waren. In den folgenden Jahren übernahmen viele weitere Eisenbahn-Gesellschaften das Mehrzylinderprinzip bei ihren Maschinen.

Im Jahre 1884 schließlich wurden Mallets Vierzylinder-Verbund-Doppellokomotive und die heute unter dem Namen „Malletlok“ bekannte, bogengängige Maschine patentiert. Im Gegensatz zu allen anderen Gelenklok-Bauarten besteht sie nur aus zwei Baugruppen, da das hintere (Hochdruck-) Triebwerk fest im Rahmen gelagert ist. Mallet waren die bereits längere Zeit vorhandenen Meyer- und Fairly-Maschinen bekannt, deren Schwächen er mit seinem System zu umgehen versuchte (s. Technik).

Anatole Mallet lebte in Frankreich, in dessen Hauptstadt Paris er am 10. Oktober 1919 starb.

Der Deutsche Fritz Rimrott (*1849 Aschersleben, +1923 Wernigerode) entwarf unabhängig von Mallet ebenfalls eine Gelenklokomotive ähnlicher Bauart. Die Entwicklung war seine Prüfungsarbeit für die Staatsprüfung im Fach Maschinenbau. Sein Entwurf sah ebenfalls jeweils eine im Rahmen feststehende und eine bewegliche Treibgruppe vor. Einziger Unterschied war, dass der Rimrott-Entwurf das Drehgestell nicht vorn, sondern hinten hatte. Dadurch konnte die konventionelle feste Verbindung zwischen Zylindern, Ausströmrohren und Blasrohr/ Rauchkammer beibehalten werden. Auch gab es keine Verbundwirkung. Es ist nie eine Maschine dieses Typs gebaut worden. Dennoch wurde in Deutschland gelegentlich auch von Mallet-Rimrott-Lokomotiven gesprochen.

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