Eine Einzelrolle spielte 99 5906, welche 1920 als
Gelegenheitskauf zur NWE kam. 1917 bestellten die deutschen Heeresfeldbahnen
bei der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe sieben Mallet-Lokomotiven für den
Einsatz auf der 1000mm-Bahn Verdun - Montmédy. Die größeren sechsachsigen
Mallets (s.a. 99 201) waren ebenfalls
Bestandteil der Fahrzeugbeschaffung der Heeresfeldbahnen. Es war bereits Frieden,
als die Loks ausgeliefert wurden. 99 5906 kam anschließend zur Ruhr-Lippe-Eisenbahn.
Bereits nach zwei Jahren entschied sich die dortige Betriebsleitung,
die Lok zu verkaufen. So gelangte sie 1920 zur NWE. Die Lok unterscheidet
sich von den anderen Mallet-Lokomotiven durch ihren Innenrahmen hinten, das
längere, aber flachere Führerhaus, die insgesamt größere Länge und ihren geringeren
Kesseldruck von 12 atü. Die sieben Feldbahn-Lokomotiven waren in Anlehnung
an die Mallets der NWE entstanden, wurden aber an die französischen Verhältnisse
angepasst (z.B. Lichtraumprofil). Bei den Hauptuntersuchungen der Deutschen
Reichsbahn, die die Lokomotive 1949 übernommen hatte, wurden verschiedene
Änderungen vorgenommen. So wurden beispielsweise die Wasserkästen bis in Höhe
der Rauchkammertür verlängert und geschweißte Dome aufgesetzt.
Die Mallet-Lokomotiven wurden seit Januar 1987 in ihrem Einsatzgebiet, der Selketalbahn, zunehmend durch die Neubauloks der BR 99.72 ersetzt. 99 5906 war die letzte planmäßig eingesetzte Mallet-Lok im Selketal und wurde abgestellt, nachdem sie am 16.11.1989 die letzten Planzüge im Selketal befördert hatte. Am 12.01.1990 erfolgte ihre Überführung von Gernrode nach Wernigerode (zusammen mit 99 5902).
Seit Februar 1991 gab es einen harten Kampf um den Verbleib von 99 5906, die der Deutsche Eisenbahn-Verein Bruchhausen-Vilsen kaufen wollte. Das Amt für Materialwirtschaft der Deutschen Reichsbahn stimmte zu - bei einem Kaufpreis von 21.000,-DM (ca. 10.700 EUR), soviel wie für einen Kleinwagen. Die Interessengemeinschaft Harzer Schmalspubahnen e.V. wollte den Ausverkauf nicht einfach hinnehmen und erwirkte gemeinsam mit dem Landkreis Wernigerode und der Denkmalschutzbehörde eine gerichtliche Verfügung, die beiden Vertragspartnern DR und DEV den Zugriff auf die Lok untersagte. Zum damaligen Zeitpunkt stand das gesamte Netz einschließlich 99 5906 unter Denkmalschutz, so dass ein Verkauf der Maschine ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde nicht einfach durchgeführt werden konnte, obwohl sich die Kaufsumme bereits auf dem Konto der DR befand. 1993 verkaufte die DR die Lokomotive noch einmal - an die neu gegründete Harzer Schmalspurbahnen GmbH. Um den Konflikt zu lösen, erwarb die Deutsche Reichsbahn schließlich von der Albtalverkehrsgesellschaft Karlsruhe eine ähnliche Mallet-Lokomotive und übergab sie dem DEV. So konnte 99 5906 in ihrem angestammten Einsatzgebiet verbleiben. Sie erhielt 1995 eine Hauptuntersuchung mit Umrüstung auf Druckluft und ist seitdem v.a. im Plandienst auf der Selketalbahn eingesetzt.
Von den sieben gebauten Maschinen der Serie existiert noch eine weitere Lokomotive: Nr. 105 der Strecke Zell - Todtnau. Der äußere Zustand von Nr. 105 entspricht noch weitgehend der Ursprungsausführung. Seit wenigen Jahren ist auch sie wieder betriebsfähig und befördert Sonderzüge auf der Museumseisenbahn Blonay - Chamby in der Schweiz. 1999 kam Lok 105 zur 100-Jahr-Feier der Harzquerbahn besuchsweise nach Wernigerode und traf hier zum ersten Mal wieder auf ihre Schwester 99 5906.